Was wäre wenn… King Kong den Kampf gegen Militär und Zivilisation gewonnen hätte? Wahrscheinlich hätte er sich Manhattan zu eigen gemacht. Das jedenfalls ist die Prämisse, mit der Eric Herenguel den geneigten Leser in sein neuestes Comic-Werk Die Kong Crew lockt.

Das Zeitalter des Affen

Im Jahr 1947 ist Manhattan schon längst zur Sperrzone geworden. Die Natur hat sich die Insel zurückgeholt und somit quasi zur Skull Island 2.0 gemacht. Denn nicht nur Kong hat sich dort niedergelassen, auch andere unvorstellbare Wesen treiben sich dort herum. Das weckt natürlich Interesse und Abenteuerdrang. Um ungewollte Eindringlinge, ebenso wie flüchtige Kreaturen von ihren Plänen abzuhalten, patrouilliert die sogenannte Kong Crew regelmäßig am Rand der Sperrzone in ihren Jagdfliegern – vorzugsweise in den ikonischen P-51 Mustangs.

Bei einem dieser Aufklärungsflügen kommt es zum Unglück. Der Held der Geschichte – Virgil – stürzt ab und wartet nun auf Rettung durch seine Kameraden. Aber dies setzt nur die eigentliche Geschichte in Gang…

Beast vs. Machine! Kong hat New York erobert und gibt es nicht wieder her. Tollkühne Flieger müssen dafür sorgen, dass kein weiterer Schaden angerichtet wird.
Spürbare Leidenschaft

Es ist ein Herzensprojekt. Anders kann man es nicht nennen, was Herenguel hier auf die Seiten zaubert. Wie er bereits im Vorwort erzählt, gab es in seiner Familie so manchen Piloten. Und die Liebe zu alten Flugzeugen und Lederjacken findet man auch, wenn man dem Autor und Zeichner in den sozialen Medien „hinterher stalkt“.

So ist es dann auch nicht verwunderlich, dass Die Kong Crew eine ausgewogene Mischung aus Fantasy (in Manhattan) und idealisierter Millitärromantik (auf dem Flugfeld) verknüpft. Das funktioniert hier ganz wunderbar und bietet auch die Möglichkeit, stilistisch einiges aufzufahren. Während der Dschungel von Manhattan in seiner erdigen Düsternis chaotisch wirkt – immer wieder unterbrochen von bekannten Strukturen – so ist der Flugplatz in New Jersey in den Zeichnungen aufgeräumter, heller und auch optimistischer. Ein schöner Kontrast, der sich thematisch durch den ganzen Band zieht.

In guter Gesellschaft: Für Silbermond über Providence übernahm Eric Herenguel genau wie bei Die Kong Crew Story und Zeichnungen. Bei Ulysses 1781 war Xavier Dorison für die Story verantwortlich, während Herenguel die wilde Irrfahrt atemberaubend in Szene setzte. Beide Titel sind sehr zu empfehlen.
Den Hunger geweckt

Inhaltlich ist nach dem ersten Band – der übrigens von Panini-Comics als Hardcover veröffentlicht wurde – noch nicht viel zu berichten. Die Figuren werden eingeführt und die Weichen gestellt. Am Ende folgen wir drei wesentlichen Handlungssträngen (vier Stänge, wenn man die Suche Spits, dem Dackel von Virgil, miteinbezieht), die ahnen lassen, wie diese später mal zusammenkommen könnten, die aber im ersten Band noch weit genug auseinander liegen und eigenständig genug sind, um interessant zu bleiben. Dabei bedient sich Herenguel einiger bekannter Elemente, die man so ähnlich bereits in anderen Storys über verlorene Welten gesehen hat. So manches Mal fühlte ich mich an Mark Schultz‘ Xenozoic Tales (auch als Cadillacs and Dinosaurs bekannt) erinnert. Das soll keine Kritik sein, eher der Hinweis, dass Herenguel weiß, in welchem Umfeld er sich bewegt. Natürlich immer mit seiner ganz eigenen Note.

Wer sich mit dem Autor beschäftigt, wird schnell feststellen, dass altbekannte Themen und Szenarien gerne mal auf den Kopf gestellt werden. So bereits in Silbermond über Providence und Ulysses 1781 (beide im Splitter Verlag erschienen) geschehen. Von Die Kong Crew erwarte ich ähnliches.

Rohe Gewalt: Das „Was wäre wenn“-Szenario der Kong Crew bietet jede Menge Stoff für gelungene Pulp-Unterhaltung.
Flotter Spaß und jede Menge Pulp

Die Kong Crew ist durch und durch Pulp Fiction. Das Setting in den 40er Jahren, tollkühne Flieger, heiße Ladys und große Monster – wo jeder Normalo (also: Nicht-Nerd) die Hände über dem Kopf zusammenschlagen würde, da frohlockt das Herz eines jeden, der sich einen Funken verspielter Fantasie bewahrt hat. Denn darauf kommt es an: Spaß zu haben mit dem Unglaublichen. Und Spaß macht die Kong Crew ohne Frage.

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