Was? Wo? Jeff Goldblum macht auch noch Musik? Ja, da hören wir doch mal genauer hin. Damit ist er ja eigentlich in guter Gesellschaft anderer Hollywood-Größen. Nehmen wir das doch zum Anlass, künftig ein paar Schauspieler im Musikmodus zu behandeln. Aber der Auftakt gehört dem langen Lulatsch.

Der Mann kann Dinosaurier jagen. Er kann fiese Außerirdische besiegen. Mit Superhelden umgibt er sich auch ganz gerne. Und sogar in eine Fliege kann er sich verwandeln. Ja, was soll denn da noch groß kommen? Einfache Antwort: Er setzt sich ans Klavier. Jawohl, Jeff Goldblum spielt Klavier. Richtig gelesen. Und das macht er konsequent: „Cantaloupe Island“ ist der Einstieg in Goldblums neues – und erstes – Album, also der Klassiker von Klavier-Großmeister Herbie Hancock. Und wer da jetzt irgendwelche ironischen Brechungen oder verschmitzte Spielereien erwartet, die der hochgewachsene Schauspieler gerne mal auf der Leinwand präsentiert, der liegt falsch: Goldblum greift mit dem gebotenen Respekt in die Tasten.

Insofern hält Jeff Goldblum für den gemeinen Kinogänger gleich zwei Überraschungen parat. Erstens: Ja, der Schauspieler kann nicht nur Schauspiel, sondern auch Musik. Und zweitens: Er kann das richtig gut. Wenn man sich dann einmal genauer mit dem Mann beschäftigt, überrascht das kaum noch: Goldblum gibt seit knapp 20 Jahren den Jazz- und Swing-Musiker und tritt zusammen mit seiner Formation The Mildred Snitzer Orchestra in einem Club in Los Angeles auf. Für sein erstes richtiges Album wechselte er in die Capitol Studios – daher der Name „The Capitol Studios Sessions“ – und holte sich noch namhafte Verstärkung hinzu. Wie das so üblich ist, wenn Stars zum Musizieren laden. Das Ergebnis ist eine lockere Live-Aufnahme mit gut gelaunten Musikern, einem gut gelaunten Publikum und einigen guten alten Bekannten aus dem Great American Songbook.

Jeff Goldblum CD Booklet
Ach, Klavier spielt der auch noch. Ja, Jeff Goldblum hat gut lachen, mit seinem Debütalbum hat er abgeliefert. Übrigens: Ja, ich gebe es zu: Ich habe aus Versehen die polnische Version der CD erwischt. Nur falls sich jemand angesichts des Header-Bildes fragt, warum da was auf Polnisch steht…
Singen, Schäkern, Spielen

Ganz genau: Der geneigte Hörer muss keine Eskapaden in Richtung Avantgarde Jazz fürchten. Und genauso braucht er auch keine musikalischen Innovationen erwarten. Jeff Goldblum ist Entertainer genug zu wissen, womit er das Publikum kriegen kann. Und so hat er ein Repertoire zusammengestellt, das man so oder so ähnlich vom Rat-Pack bis hin zu Michael Bublé schon mal gehört hat. Beste Beispiele dafür sind seine Duette mit der bekannten und geradezu grandiosen Imelda May, die er für das beschwingte „Straighten up and fly right“, das coole „Come On-A-My House“ oder das emotionale „This bitter Earth“ auf die Bühne holt. Zu den Highlights zählen aber sicherlich auch die Stücke mit Youtube-Stimmwunder Haley Reinhart, die mit Goldblum bei „My Baby just cares for me“ schäkert oder ein souveränes „Gee Baby“ loslässt.

Die Fans der versiert getröteten Jazz-Trompete kommen dann wohl eher bei den Stücken mit dem Deutschen Till Brönner auf ihre Kosten, also bei „Don´t mess with Mr. T“ oder „Caravan“. Und im Kontrast dazu gibt es auch noch ein bisschen Comedy: Goldblum liefert sich einen humorigen Schlagabtausch mit Sarah Silverman, der schließlich im Duett „Me and my Shadow“ gipfelt. Dabei merkt man: Beide sind nicht unbedingt die besten Sänger, aber zumindest zählen sie zu den witzigeren Vertretern der Zunft. Was sehr wohltuend auffällt: Jeff Goldblum ist vielleicht der Star des Abends. Aber er gibt sich nicht so. Vielmehr zieht er sich auf die Rolle des Conferenciers zurück, bietet am Klavier eher eine angenehm zurückgenommene Begleitung der wirklich guten Musiker, setzt dann von Zeit zu Zeit aber wohldosierte Akzente an den Tasten.

Jeff Goldblum Foto Booklet
Und jetzt singt der auch noch? Ja, aber das ist nicht gerade Jeff Goldblums größte Stärke. Insofern kokettiert er im Booklet ein bisschen mit seiner Rolle.
Macht Laune. Punkt.

Der Swing-Laie genauso wie der Jazz-Kenner können sich – sobald sie die Überraschung verdaut haben, dass sie einem bekannten Schauspieler lauschen – natürlich die Frage stellen: Braucht es solch ein Album überhaupt? Oder besteht die einzige Existenzberechtigung dieses Albums darin, dass ein für Jazz-Kreise kurioser Name auf dem Titel prangt? Schließlich wird darüber hinaus nur Altbekanntes geboten. Aber derlei Gedanken sind eigentlich völlig überflüssig: Jeff Goldblum und seine Musiker sind mit Spielfreude bei der Sache und wollten ganz offensichtlich einen guten Abend haben. Und genau das übertragen sie auch auf den Zuhörer.

In Kürze: Erste Überraschung: Jeff Goldblum swingt! Zweite Überraschung: Er swingt sogar richtig gut. Zusammen mit seiner Formation The Mildred Snitzer Orchestra und namhaften Gastmusikern liefert der Schauspieler ein versiertes und spielfreudiges Album mit altbekannten Gassenhauern ab. Da ist es auch völlig egal, dass es sich eben nur um… nun… um altbekannte Gassenhauer handelt. Die Scheibe macht nämlich einfach Laune (natürlich vor allem dann, wenn man Swing mag).
Bewertung: 7 / 10

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