Die letzten Jedi, Episode 8, TLJ – oder wie man den Film auch nennen mag – stellte einen Wendepunkt in der Geschichte des Star Wars-Franchise dar. Während sich die gefühlte Mehrheit der Kinozuschauer bei den Prequels noch einig war („Die sind scheiße! Bätsch!“), spalteten Die letzten Jedi das Publikum. Viele sahen den besten Film der Reihe, die anderen den Untergang ihres geliebten Universums. Die meisten Diskussionen endeten dann auch mit dem gegenseitigen Massakrieren (verbal, in den meisten Fällen) der Gesprächs-/Motzpartner. Aber was stimmt denn nun? Meisterwerk oder Abfall? Vielleicht sogar etwas dazwischen? Ein Erfahrungsbericht.

Gleich vorweg: Der Text enthält massive Spoiler! Auch wenn es zu diesem Zeitpunkt vermutlich niemanden mehr interessieren wird.

Eine kleine Vorgeschichte

Ich würde mich selbst als Star Wars-Fan bezeichnen. Seit meiner Kindheit habe ich Unmengen an Zeit und Geld in dieses Universum investiert und immer Spaß daran gehabt. Dieser Spaß trübte sich jedoch ein wenig, als der Hass auf die Prequels ungekannte Ausmaße annahm und man sich beinahe schämen musste, wenn man zugab, auch diese Filme zu genießen. Umso verstörender fand ich es, als 2015 mit Das Erwachen der Macht eine glattgebügelte Fortsetzung ins Kino kam, die weltweit Begeisterungsstürme auslöste. Erst ein Jahr später begannen die Jubler dann plötzlich mit ihren vernichtenden Kritiken. Frei nach dem Motto: Was schert mich mein Geschwätz von gestern?

Nun ja, dieser Umstand sorgte dann bei mir dafür, dass der Hype um Episode 8 genau das Gegenteil seines eigentlichen Zweckes erfüllte: Mir ging der Film noch vor Kinostart gewaltig auf die Nerven. Und somit wurden Die letzten Jedi der erste Film der Reihe, den ich nicht im Kino sah.

Der Film verschwand aus den Kinos und erschien irgendwann auf den gängigen Heimmedien. Immer noch war er mir egal. Aber dann, Mitte Juli 2018, überkam es mich. Eine Leihaktion auf Amazon bot den Film für €0,99 an. Ein Preis, den ich zu zahlen bereit war. Anstatt den Film aber sofort zu sehen, lungerte er noch eine geschlagene im digitalen Nirvana Woche herum, bevor ich ihn heute zum ersten Mal sah. Ganze 7 Monate nach Kinostart.

Ich bin schon ein toller Star Wars Fan.

Porgs, die Ewoks der neuen Generation. Nur nicht so wild.
Verdammte Süßheit. Manche Dinge funktionieren einfach immer.
Beim Lucasfilm-Logo kribbelt’s immer noch. Und beim Rest?

Gleich zu Beginn zeigte sich, wie gut der Film aussah. Optisch sicherlich eine deutliche Verbesserung gegenüber dem Vorgänger. Sollte ich den Film tatsächlich mögen?

Auch die erste Raumschlacht konnte begeistern. Einer der immer wieder aufkommenden Kritikpunkte dabei waren die herunterfallenden Bomben. Da die Physik des Weltraums in Star Wars noch nie der Realität standhielt, war mir dieser Kritikpunkt ein Rätsel. Meckern um zu meckern?

Und dann war es soweit. Luke Skywalker war zurück!
Einer der größten Kritikpunkte des Vorgängers bestand für mich immer darin, wie jemand auf die Idee kommen konnte, Luke Skywalker nur am Ende mit einem wortlosen Cameo zu würdigen. Begreife ich nicht. Dieser Unmut war aber vergessen, als ich Luke wiedersah. Er ist alt geworden. Und mürrisch. Viele Details in seinen Szenen sorgten für noch mehr Debatten. Die meisten davon fand ich nicht schlimm, manche sogar sehr gut (beispielhaft die Melkszene, für mich überaus gelungen). Dass Luke (zu diesem Zeitpunkt im Film) aus unerklärlichen Gründen seine Freunde und Mitstreiter im Stich gelassen hatte und verschwunden war, empfang ich als sehr unbefriedigend. War das wirklich der Luke Skywalker aus der Original-Trilogie, der seine Ausbildung abgebrochen hatte, um seinen Freunden zur Hilfe zu kommen? Ich glaube kaum. Aber vielleicht bessert sich dieses Gefühl ja noch im weiteren Filmverlauf.
Spoiler-Alarm! Es bessert sich nicht.

Spaß mit Actionfiguren. Sollte man nicht unterschätzen.
Neue Heldin, bekanntes Setting. Visuell sicherlich ansprechend, aber Rey (sowie alle anderen neuen Figuren) zünden bei mir nicht.
Es geht bergab

Das Drehbuch ist über den gesamten Film recht holprig. Immer wieder gab es Szenen oder Dialoge, die mich mit den Augen rollen ließen. Gleich zu Beginn bekommt Poe Dameron eine Belehrung von Leia, dass er nicht immer alles zu Klump schießen soll. Noch in derselben Szene erteilt sie ihm den Befehl, genau das zu tun. Entscheide dich mal, Lady!
Andere Dinge sind dann wohl eher subjektiv. Während man die Chance einer emotionalen Szene verschenkt (Wo ist Han?), gibt man sich lieber Slapstick hin (Finn erwacht aus dem Koma und stolpert lustig durch die Bude). Das setzt sich dann den ganzen Film so fort.

Okay, weiter in Text und Handlung. Während sich Rey nun mit Luke herumschlägt und um eine Ausbildung bettelt, flieht der Widerstand vor der Ersten Ordnung. Und da geht es dann so richtig los mit den Dingen, die mich am Film stören. Die Verfolgungsjagd, die durch den schwindenden Treibstoff und die Trackingfunktionen der Ersten Ordnung super-spannend sein sollte, ist es einfach nicht. Das Problem? Es gibt keinerlei logische Erklärung dafür, weder real noch filmintern, warum diese Jagd so stattfinden sollte. Warum springt die Erste Ordnung nicht vor die fliehenden Schiffe? Wieso kreisen sie sie nicht ein? Warum ist Treibstoff plötzlich ein so großes Thema bei Star Wars? Es haut einfach nicht hin und zerstört somit einen großen Teil der Filmhandlung. Schade, wirklich schade.

Ach ja, kurz vorher gibt es auch die berüchtigte Space-Leia zu sehen. Dabei bin ich der Meinung, dass Zack Snyder das bereits ein Jahr vorher deutlich besser inszeniert hat. Mein wirkliches Problem mit der Szene ist, dass es vorher keinerlei Vorbereitung gab. Klar, Leia ist Lukes Schwester und somit auch machtsensitiv. Aber weder in der Original-Trilogie noch in Das Erwachen der Macht wird angedeutet, dass sie die Macht auch effektiv einsetzen kann. Selbst in Die letzten Jedi gibt es keinerlei Hinweis darauf. Es passiert einfach. Überraschend? Ja. Befriedigend? Nein.

Sinnfrei durchs All

Aus der Verfolgung heraus entsteht dann ein weiterer Handlungsstrang, der zwar einige wirklich nette Szenen und Einfälle bietet (von der ständigen Moralkeule mal abgesehen), am Ende aber bedenkenlos aus dem Film gestrichen werden kann, ohne die eigentliche Handlung zu verändern. Wow, so etwas muss man erst mal schreiben. Hut ab!
Natürlich geht es um Canto Bight. Hauptakteure dieses Ausflugs sind Finn und Rose. Zwei Charaktere, denen immer wieder vorgeworfen wurde, nur im Film zu sein, um die Diversität der Figuren zu erhalten. Persönlich ist es mir sehr egal, welche Hautfarbe, Abstammung etc. eine Figur hat, solange sie funktioniert. In Finns Fall gelingt es bedingt. War er in Das Erwachen der Macht noch nervig und uninteressant, ist er hier nur noch uninteressant. Rose trifft es leider nicht besser. In meinen Augen ein weit verbreitetes Problem der Branche, dass man zwar versucht, alle möglichen Ethnien in einem Projekt unterzubringen, dann aber daran scheitert, ihnen vernünftige Rollen zu schreiben. Auch ein Statement.
Sinnlose Handlungen gibt es im realen Leben zuhauf. Aber will man das in einem Film sehen? Vor allem wenn man durch eine Kürzung nur die Lauflänge verändern würde, aber nicht die Handlung?
Dafür gab es dann mit Benicio del Toros DJ die einzig interessante neue Figur des Films. Und erschreckenderweise auch die sympathischste.

Lukes Lichtschwert, eine elegante Waffe aus zivilisierteren Tagen.
Anakin, Luke, (kurz) Finn und Rey. Jetzt ist es hin. Trauriger Abgang der inkonischsten Waffe der Saga.
Neue Einfälle vergebens gesucht

Zurück zu Luke und Rey. Die gute Dame hat in der Zwischenzeit eine mentale Verbindung zu Kylo Ren aufgestellt. Sehr altmodisch mit Gegenschnitten gelöst. Man lässt die Figuren lieber darüber reden, was sie sehen, als es zu zeigen. Für ein visuelles Medium natürlich die erste Wahl der Umsetzung. Luke kriegt es jedenfalls raus und warnt Rey. Die will davon nichts wissen und geht ihrem eigene Plan nach. Moment mal, das kommt mir bekannt vor. So ähnlich reagierte doch auch Luke auf Dagobah. Schöner Verweis auf die alten Filme. Oder etwa doch nicht? Die stetig zunehmenden Ähnlichkeiten lassen denselben Geschmack aufkommen, den auch schon Das Erwachen der Macht hatte: Altes aufgewärmt.

Rey düst ab und stellt sich Kylo. Der versucht sie auf seine Seite zu ziehen. Aber vorher bringt er sie zu Snoke (vgl. Return of the Jedi). Ach ja, Snoke gab es ja auch noch. Muss man nicht viel drüber sagen, er hat nicht viel zu tun und wird es auch nicht mehr. Viel Hype um nichts. Und George Lucas wurde schlechter Umgang mit Darth Maul vorgeworfen?

Nachdem sich Rey und Kylo bei einem gemeinsamen (lahmen) Kampf angefreundet haben, entzweien sie sich auch schon wieder. Klappt doch nicht so leicht mit der Konvertierung zur anderen Seite. Bevor es aber zum erneuten Zwist kommt, folgt der nächste geniale Einfall: ein Hyperraumsprung durch die feindliche Flotte. Super Idee, auf die vorher nie einer gekommen war. Außer Admiral Holdo (Figur und Schauspielerin verschenkt). Warum eigentlich nicht? Die gesamte Saga wäre anders verlaufen. Egal, nicht mehr drüber nachdenken.

Salz, nicht Schnee (so viel Zeit muss sein)

Die letzten Jedi nähern sich nun dem Finale, welches vor 38 Jahren noch der Beginn eines anderen Films war. Ach ja, diese verblüffenden Ähnlichkeiten. Der mickrige Rest des Widerstands versteckt sich in einer alten Rebellenbasis, wird natürlich aufgespürt und angegriffen. Zur ultimativen Rettung gesellt sich dann überraschenderweise Luke Skywalker, der sich von seinem Exil loseisen konnte. Die Konfrontation mit Kylo Ren ist aber nur Ablenkung, Luke eine Projektion und danach zu Tode erschöpft. Der Held vieler Kindheiten stirbt einen Tod, den er irgendwie nicht verdient hat. Zwar ein letztes nobles Aufbäumen gegenüber den Fehlern, die ihm die Drehbuchautoren aufgezwungen haben, aber dennoch ein Tod, der sich falsch anfühlt. Nicht weil Luke fort ist, sonder weil so viel mehr möglich gewesen wäre. Die Vergangenheit ist tot. Ein Motto, welches schon mantraartig im Film wiederholt wird. Ich hab’s verstanden.
Danach ist es auch völlig egal, dass die erste Ordung immer noch da (fast genauso stark wie zu Beginn) und der Widerstand immer noch auf der Flucht ist (wie zu Beginn, nur mit deutlich weniger Personal).

Luke bleibt einfach Luke. Da kann auch kein Film etwas dran ändern.
Auch wenn ich mit dem Film spät dran war, Merchandise musste doch sein. Ich bin so berechenbar…
Das Ende aller Gedanken

Es gibt noch so viel mehr zu schreiben. Warum war R2 nur in einer Szene dabei (den Flashback zähle ich nicht)? Eine Szene die einfach großartig war. Warum nicht mehr davon? Warum Schurken nicht nutzen? Die Rükkehr von Phasma war ein einziger Witz. Gefühlt hatte sie noch weniger Screentime als im Vorgänger.

All das und noch weitere Fragen wurden schon zur Genüge diskutiert, und man wird zu keinem Ergebnis kommen. Man kann sich nur selber ein Bild machen und dann damit leben (ohne andere penetrant vom Gegenteil überzeugen zu wollen).

Für mich war dieses Filmerlebnis, sieben Monate nach Kinostart und als langjähriger Fan, ein ärgerliches. Die letzten Jedi machen in meinen Augen sehr viele Fehler und verschenken Potenzial. Kontroverse Dinge scheinen enthalten zu sein, nur um kontrovers zu sein. Andere wiederum werden nicht konsequent zu Ende geführt. Der Film bietet einige tolle Szenen. Szenen die ich im Gesamtwerk von Star Wars hoch ansetzen würde. Aber als Ganzes funktioniert er zu wenig, um mit den anderen Filmen mithalten zu können.

Meine Top 5



  • Die Anfangsschlacht. Spektakuläre Weltraumaction.

  • Lukes Alltag. Herrlich schrullig mit einer Scheißegal-Attitüde.

  • R2-D2 überzeugt Luke. Emotional und kraftvoll. Eine der besten Szenen der Saga.

  • Benicio del Toro. Interessanter und vielschichtiger als die Hauptfiguren.

  • Das Casino auf Canto Bight. Viel Potenzial…

Meine Flop 5



  • …, doch leider nicht genutzt. Dazu für die Handlung noch völlig überflüssig.

  • Snoke. Verschenkt (genau wie seine Wachen).

  • Phasma. Ein Witz, und zwar kein guter.

  • Die Verfolgungsjagd. Unfähige jagen Unfähige. Haben es nicht besser verdient.

  • Lukes Abgang. Nobel, aber ohne Emotion.

4 comments

  1. Hallo Howling Mad…äh… Men!

    Lustig, ich habe den Film am Wochenende gesehen. Nachdem ich mir den auch für 0,99€ gegönnt habe. Anders als Du, bin ich allerdings kein „Star Wars“-Fan. Zwar bin ich mit ersten drei Filmen groß geworden, aber gepackt hat mich das Universum nie. Die besten Szenen in „Das Erwachen der Macht“ waren die, mit Han und Chewbacca. Die neuen Charaktere find ich so blaß und unscheinbar, die interessieren mich null.
    Man hätte auch die Bösen besser aufbauen können, denn wie Du schon schreibst, Snoke und Phasma sind total verschenkt. Und Adam Driver finde ich einfach langweilig.
    Seien wir ehrlich, wären die bösen Figuren wirklich gut gewesen, hätte es die Guten noch blasser aussehen lassen. Im Gesamtbild paßt es also wieder. 😀

    Auch die letzten Jedi haben es nicht geschafft, mich zur Macht zu bekehren und der Bericht hat mir gezeigt, warum ich keine Filmkritiken mehr schreibe. Es gibt einfach so viele Menschen, die das besser können. 🙂

    Viele Grüße und macht weiter so
    Holly

    1. Auch hier vielen Dank für den Kommentar und die Blumen 😉

      Star Wars war schon immer ein „Streitthema“. Kann man herrlich drüber diskutieren und am Ende steht man doch wieder am Anfang 😉
      Trotzdem ist es schön, wenn man es schafft, sich seine eigene Meinung zu bilden. Auch wenn sie gegen die Strömung geht, oder mitschwimmt. Hauptsache man hat Spaß und nimmt es alles nicht zu ernst.

      Freue mich schon auf weitere Kommentare von Dir. 🙂

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