Eigentlich ist das eine Hochzeit im Himmel: 80er-Ikone Steven Spielberg verfilmt die 80er-Huldigung Ready Player One. Alles bestens, oder? Eigentlich…

Ready Player One Blu-Ray im VHS-Look
VHS-Look: Die Sonderausgabe der Blu-Ray zu Ready Player One erinnert an alte Zeiten. Tatsächlich ist die Verpackung aus dünner Pappe.

Die echten „Spielberg-Momente“ kommen erst spät – aber dann kommen sie umso geballter. Es sind die Szenen mit den jugendlichen Nebendarstellern, die den Helden von Ready Player One auf seiner Quest begleiten. Nun muss man dazu wissen, dass diese jungen Menschen in einer ziemlichen Dystopie leben, also inmitten von Armut und heruntergekommenen Städten. Und dass es ihnen gerade an den Kragen geht, denn die Schergen des bösen IOI-Konzerns sind hinter ihnen her. Und was machen diese Teens? Die grinsen so hoffnungsvoll und glückselig in die Kamera, als werden gerade Weihnachtsgeschenke ausgepackt. Da hat es ein burschikoses Mädchen, das selbstbewusst Sprüche klopft wie ein Erwachsener. Und auch einen Elfjährigen, der sich angewidert abwendet, wenn Held und Heldin nach bestandenem Finale anfangen zu knutschen.

Um keine Missverständnisse aufkommen zu lassen: Die Beschreibung dieser Szenen ist weder ironisch noch zynisch gemeint. Niemand kann Kinder und Jugendliche so zauberhaft staunend und optimistisch inszenieren wie Steven Spielberg. Das reicht vom kleinen Barry in Close Encounters über Shorty in Temple of Doom bis zu den verlorenen Jungs in Hook. Wenn man so will, bewahrt sich Spielberg damit immer einen irgendwie kindlichen Blick auf seine Filmwelten. Doch nun zum Aber: Derlei Momente kommen im Film leider sehr spät und hätten ihm an einer früheren Stelle ganz gut getan. Denn so prädestiniert eine Popkultur-Ikone wie Spielberg für ein Popkultur-Fest wie Ready Player One auch gewesen sein mag – ausgerechnet bei diesem Film spult der Regisseur sein Repertoire zu routiniert ab.

Wo bleibt die Faszination?

Ready Player One – also die Romanvorlage von Ernest Cline – zelebriert so ziemlich alles, was die 80er Jahre in Bild und Ton hergegeben haben. Insofern ist er ein einziger „Nerdgasm„. Der Roman ist anfangs zwar etwas spröde erzählt, aber mit zunehmender Seitenzahl vermittelt er eine regelrechte Faszination für Filme wie WarGames, für Computerspiele wie Zork und nicht zuletzt für einen Flug in einem X-Wing. Cline wusste ganz genau, was er da an spezifischen Bausteinen in seinen Roman zu packen hat. Der Film dagegen glänzt durch Beliebigkeit: Er drückt wahllos Film- und Spielefiguren nicht nur der 80er, sondern der 70er und 90er in jede Ecke jedes Bildes wie Tausende mikroskopisch kleiner Eastereggs, die überhaupt keine Bedeutung haben. Welche Chance Ready Player One da verpasst, wird besonders in der gelungenen Shining-Sequenz deutlich, die wohl als Spielbergsche Verbeugung vor Stanley Kubrick gedacht war – und bezeichnenderweise auf die 70er anspielt.

Eine weitere Stärke des Romans war die Zeichnung der echten Welt: Es gelang Cline ziemlich gut, seine Popkultur-Story mit einer Cyberpunk-Dystopie des Jahres 2045 zusammenzubringen. Immerhin nahm sich das Buch auch 100 bis 150 Seiten lang Zeit, um sein Szenario ordentlich vorzustellen und somit ein stabiles Fundament für den ganzen Rest zu schaffen. Die Verfilmung dagegen spart sich diese Zeit und spurtet sofort in die Oasis, also in den Cyberspace, in dem es die ganzen popkulturellen Anspielungen setzt. Und da verbleibt Ready Player One dann auch erst mal. Was schade ist, denn von dem ursprünglichen Subtext rund um die Macht der (Tech-)Konzerne und die Rolle der breiten Bevölkerung als Kommerz-Sklaven bleibt da nicht viel übrig.

Atemlos an der Oberfläche

Jetzt muss man zweifellos anerkennen: Ready Player One ist – wie immer bei Spielberg – virtuos in Szene gesetzt. Die Handlung ist rasant. Die Schauspieler sind gut besetzt und spielen solide auf. Die Effekte aus dem Hause Industrial Light & Magic sind sensationell. Und die Musik von Komponist Alan Silvestri ist voller Ohrwürmer und beinahe schon ein inoffizieller vierter Zurück in die Zukunft-Score. Doch das alles hechelt trotz der 140 Minuten Laufzeit atemlos vorbei, ist eine ausgedehnte virtuelle Schnitzeljagd ohne Ruhepausen. Was dabei auf der Strecke bleibt, sind ein paar echte Emotionen – eben bis auf die Momente gegen Ende. So liefert Spielberg auf seine alten Tage ein erstaunlich oberflächliches Abenteuer ab, das vielleicht noch mal 20 Minuten mehr Tiefgang benötigt hätte.

Ready Player One / Darum geht´s: Im Jahr 2045 dreht sich alles um die 1980er Jahre. Der Programmierer James Halliday, ein großer Fan eben jenes Jahrzehnts, hatte einst die virtuelle Welt Oasis geschaffen und dort vor seinem Tod eine Quest hinterlassen: Wer mehrere Prüfungen anhand seines Wissens über die 80er besteht, erbt Hallidays Vermögen und die Macht über die Oasis. Kein Wunder also, dass nahezu die ganze Welt im Cyberspace auf die Suche geht. Darunter befindet sich auch der junge Wade Watts, der aus ärmlichen Verhältnissen stammt und der dreckigen echten Welt nur zu gerne entfliehen möchte. Mit einigen virtuellen Freunden nimmt er den Kampf gegen den bösen IOI-Konzern und dessen skrupellosen Vorstand Nolan Sorrento auf.

In Kürze: Ready Player One ist – wie üblich bei Spielberg – virtuos inszeniert. Doch spult der Altmeister seine Geschichte allzu routiniert ab und hechelt durch die Story, ohne echte Emotionen für Charaktere und Thema zu schaffen. Die Bausteine für einen richtig guten Film waren allesamt vorhanden, doch bleibt Ready Player One erstaunlich oberflächlich.
Bewertung: 7 / 10

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