Im Jahre 1908 hatte wohl niemand geglaubt, welchen Erfolg die Abenteuer der wortgewandten Waise Anne Shirley einmal haben würden. Doch schon kurz nach der Veröffentlichung wurde klar, dass die Autorin Lucy Maud Montgomery einen Publikumsliebling erschaffen hatte. So machte sie sich auch daran, Anne auf Green Gables fortzusetzen. Ganze acht Geschichten folgten. Die letzte wurde 1939 erstveröffentlicht, drei Jahre vor Montgomerys Tod.
Und während die Autorin diese Welt verließ, lebte Anne gewissermaßen weiter. Noch Jahrzehnte später begeistert sie die Leser. Aber nicht nur die…

Am Anfang war das geschriebene Wort

Während das erste Buch Anne auf Green Gables zum Klassiker avancierte, erreichten die Fortsetzungen vielleicht nicht ganz diesen Status. Doch boten sie weiterhin Geschichten und Entwicklungen, die nicht minder spannend waren.

Das Waisenkind Anne Shirley, welches versehentlich in die Obhut des Geschwisterpaars Cuthbert gelangt, füllte mit ihren Abenteuern auf Prince Edward Island – gelegen an Kanadas Ostküste und Wallfahrtsort für unzählige Fans – ganze fünf Bücher. Die folgenden konzentrierten sich dann mehr auf Annes Kinder. Ups, Spoiler

Der Anfang… Anne of Green Gables wurde in mehr als 36 Sprachen übersetzt und verkaufte sich seit Erscheinen mehr als 50 Millionen Mal. Dies ist also nur ein Exemplar von vielen.
Andere Medien braucht der Fan

Neben den Bücher, Filmen und Serien gibt es Anne auch auf die Ohren. Titania Medien – bekannt für ihre Gruselkabinett Hörspiele – nahmen sich bereits vor mehr als zehn Jahren der Geschichten rund um das rothaarige Waisenkind an. Zuerst veröffentlichten sie Einzel-CDs, von denen immer vier Scheiben einen Roman wiedergaben. Das führte dazu, dass insgesamt 20 CDs die Umsetzungen folgender Bücher lieferten:

  • Anne auf Green Gables
  • Anne in Avonlea
  • Anne in Kingsport
  • Anne in Windy Poplars
  • Anne in Four Winds

Später gesellten sich auch 4-CD-Boxen zu den einzelnen CDs hinzu. Die letzte Box – mit den Scheiben zu Anne in Four Winds – erschien im vergangenen September. Damit ist die Reihe – leider – sowohl als Einzel-Veröffentlichung als auch als Boxset abgeschlossen. Die Hoffnung bleibt bestehen, dass irgendwann in der Zukunft doch noch eine Umsetzung der restlichen Bücher erfolgt.

Insgesamt fünf CD-Boxen umfasst die Hörspielserie von Titania Medien. Die 20 Folgen gibt es auch einzeln.
Alles eine Frage der Technik

Wie von Titania Medien gewohnt, ist die Umsetzung der Geschichte auf höchstem Niveau. Die musikalische Untermalung ist hervorragend gewählt und hat nach ein paar Folgen absoluten Wiedererkennungswert. Auch die Effekte wissen zu überzeugen und tragen den Zuhörer schnell in die Wälder, Felder und Ortschaften der Geschichte hinfort. Aber was nützt die beste technische Umsetzung, wenn es an den Sprechern hapert? Dieses Problem gibt es hier zum Glück nicht. Synchron-Veteranen in jung und alt geben sich das Mikro in die Hand und erwecken die die Figuren zum Leben.

Besonders Marie Bierstedt sei lobend erwähnt. Ihre Verkörperung der Titelfigur grenzt an Perfektion und spiegelt alle emotionalen Facetten wider, die der Inhalt der Geschichten fordert und auch benötigt. Eine wahre Freude, ihr zuzuhören.

Kritik muss sein

Das bringt mich allerdings auch zu dem Punkt, den ich harsch kritisieren muss. Wenn es sich dabei auch um ein Luxusproblem handelt: Die Hörspiele und deren Sprecher ziehen den Hörer in den Bann. Man lacht mit ihnen und man trauert mit ihnen. Und jeder Abschied in den Geschichten geht zu Herzen. Das führt letztlich dazu, dass man nicht möchte, dass es aufhört. Jede CD, die man abschließt, bedeutet gleichzeitig, dass man einen Schritt näher am Ende ist. Ein Ende, welches man möglichst lange hinauszögern möchte.

Somit ist dieser Kritikpunkt auch die größte Stärke der Reihe. Man möchte die Welt um Anne gar nicht mehr verlassen. Zum Glück hindert einen niemand daran, einfach nochmal von vorne zu beginnen. Es lohnt sich.

Die vielen Gesichter der Anne Shirley


Natürlich wurden die Abenteuer der jungen Miss Shirley auch verfilmt. Zuallererst im Jahre 1919 als Stummfilm. 1934 folgte eine weitere Verfilmung. Besonders beliebt waren jedoch die 50-teilige Animeserie Anne mit den roten Haaren, die auch in Deutschland das Fernsehprogramm bereicherte, sowie die 1985 produzierte kanadische Mini-Serie gleichen Namens. Deren erste vier Folgen behandelten das erste Buch, während die Fortsetzung – zwei Jahre später – die Handlung nach Kingsport verlegte und fünf Folgen umfasste. Eine dritte Staffel kam im Jahr 2000 auf die Bildschirme. Erneut mit den damaligen Darstellern.


Weitere Verfilmungen erblickten 2008, 2016 und 2017 das Licht der Welt. Doch die Popularität der Mini-Serie aus Kanada konnte keine davon erreichen. Einzig die von CBC produzierte und von Netflix vertriebene Serie Anne with an E erfreut sich einiger Beliebtheit. Trotz der eher realistischen Herangehensweise an den Stoff verlieren die Serie und ihre Hauptdarstellerin nicht den so wichtigen romantischen Charme und Witz, dem so viele Menschen verfallen sind. Zwei Staffeln sind bereits verfügbar. Eine dritte ist für 2019 bereits beschlossen.

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